Sile Geschrieben 8. Oktober 2005 Geschrieben 8. Oktober 2005 Liebes Restaurations-Tagebuch, heute habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht, wie ich meinen Bally Big Day, der im Jahre 1964 das Licht der Welt erblickte, für die Zukunft erhalten kann. Dieses Gerät hat einen Teil Familiengeschichte mitgeschrieben. Damals im Besitz eines Freundes meines alten Herren hat das Gerät schon so manche kleine Party in der Jugend der Beiden versüßt. Der Freund verstarb vor einigen Jahren, womit das Gerät dann erstmal eine Weile in der Versenkung, genauer gesagt im Keller einer Gärtnerei als Spielzeug oder Regalersatz sein dunkles Dasein fristete. Jahre später, ich war 17 wenn mich nicht alles täuscht, frug man mich: "Willste nen Flipper haben? Wir haben da noch einen im Keller stehen" Bald stellte sich heraus, das es der Flipper des damalig besten Freundes meines Vaters war. Nunja, ich habe natürlich nicht gezögert, sagte "Ja" und holte das Gerät mit ein paar Leuten noch in der selben Woche ab. Erstmal in die Garage damit. Das das Gerät von sich aus nicht groß zufriedenstellend arbeiten würde, machte der Zustand (viertel vor Untergang würd ich mal behaupten) schon beim bloßen Hinsehen klar. Koniferen-Rollovers, Rost an jeder Schraube... Nach und nach machte ich mich daran, hier etwas zu reinigen, da etwas Farbe aufzubringen, und dort etwas zu entrosten. Immerhin gelang es mir - als bis dahin völlig spielautomatenunerfahren - die Münzprüfer wieder in Gang zu setzen, das Playfield einigermaßen bespielbar zu machen (Neuer Satz Schrauben, da der Rost schon die Augen beim Betrachten angriff) die Laternen einigermaßen wieder brauchbar zu verteilen, und sogar einen Satz neue Gummis (die alten waren MINDESTENS 20 Jahre drauf) draufzuziehen. Nun - mittlerweile seit 3 Jahren in Berlin lebend - möchte ich versuchen, das Ding so fit zu machen, das es noch einige Jahre erhalten bleibt. Diplomatische Probleme ergeben sich zunächst, das Gerät aus meiner Heimat - Dülmen in Westfalen - wegzubewegen, da mein alter Herr irgendwelche Besitzansprueche drauf hegt. Und hier muss ich meine Frau noch davon überzeugen, das ich von unseren 55 Quadratmetern 2 für das Gerät locker machen kann. Die völlige Ablehnung konnte ich ein wenig bremsen, indem ich sie mal bei nem Urlaub daheim mit dem Gerät bekannt gemacht habe. "Das Ding kommt trotzdem nicht ins Haus. Mach ma noch n paar Freispiele drauf" Nun wollte ich mal so nen Groben Schlachtplan mit Teilen die ersetzt, und Maßnahmen die getroffen werden müssen, vorstellen und mal schauen, was ihr als erfahrene Cracks so dazu sagt. Big Day - Restaurationsschlachtplan, Liste von benötigten Teilen: Backglass: Voll-Repro oder Ersatz. Hier ist recht herber Blätterschaden entstanden, bzw. bahnt sich dieser noch erst richtig an. Lässt sich aber noch ohne weiteres ergänzen. Eine Reparatur bzw. Klarlack-Konservierung wäre nicht hinreichend für eine fast ewige Zukunft Head: Kompletter Ausbau aller Mechaniken, Reinigung aller Buchsen und Kontakte, Massekabel im Lichtstromkreis. Patentzettelund Verkabelungshinweise vorsichtig demontieren, komplette Neulackierung des Kopfgehäuses im alten Stil, Erstellen der Maskierungen für die Deko, aufbringen und versiegeln. Massekabel des Lichtstromkreises im Kabelbaum ersetzen (Momentan nur provisorisch gelöst). Birnen und Fassungen regenerieren. Spielfeld: Reinigen, Ausbessern von Schäden, Versiegeln, Kontakte Reinigen, diverse Kontakte nachbiegen. Beleuchtung: Auswechseln von Lampen, Fassungen regenerieren, bzw. ersetzen. Weisse Gummis drauf! rechten Flipper ausrichten. Lagerbuchsen reinigen. Neues Rebound-Gummi auftreiben. Rinne im oberen Bereich spachteln (Die Kugel bleibt schon fast drin liegen!) Einbau von ein wenig auf das Gerätedesign abgestimmter Zusatzbeleuchtung (custom ) Fehlende oder defekte Teile auf dem Spielfeld: Plastic in der Mitte oben: Repro oder Ersatzteil besorgen. Slingshots unten haben ebenfalls macken. Ausbessern oder Ersatz schaffen. Body: Neulackierung der Beine/Kassentür. Gehäuselackierung im alten Stil. Maskenerstellung siehe oben. Ausbau der Innereien, Überprüfung und Reinigung von Relais und Kontakten (Bisher 3 gebrochene Relaiskämme durch Eigenanfertigungen ersetzt). Komplette Neulackierung des Bodys, und Versiegelung. Fehlende/zu ersetzende Teile: Die Ecken am Lockbar sind ziemlich abgenudelt. Da wären neue schön. Vielleicht auch ein neuer Trafo, der sieht irgendwie ziemlich rostig und marode aus. Achja, die überlöteten Sicherungen sollten auch mal ersetzt werden Und ne Isolierung für die Flipperbuttons (irgendwo kommt da manchmal was durch, aber das verleit dem Spiel eine gewisse ... Spannung )
MiB Geschrieben 8. Oktober 2005 Geschrieben 8. Oktober 2005 Puuh, da hast Du Dir ja was vorgenommen. Aber wenn Du das so durchziehst hast Du etwas Einmaliges. Also nur zu. Ich freue mich schon auf die ersten Bilder und drück die Daumen das das Teil bald bei Dir steht. Eine Frage hätte ich aber noch: Was sind Koniferen-Rollovers ? Gruss Michael
Sile Geschrieben 8. Oktober 2005 Autor Geschrieben 8. Oktober 2005 Eine Konifere ist auch als Lebensbaum bekannt. Der Flipper wohnte eine Weile in einer Gärtnerei. Quasi unfreiwilliges Customizing (Prinzipiell war es "Baumdreck" auffem Spielfeld, habs halt blumig dargestellt )
Skateball Geschrieben 8. Oktober 2005 Geschrieben 8. Oktober 2005 Jaa, ne Big Day Restauration habe ich schon hinter mir. War allerdings (zum Glück) nicht so umfangreich wie das, was Du Dir da vorgenommen hast. Dafür hat er aber auch schon mittlerweile einen harten Einsatz im Museum (siehe Bild) sowie z.B. das heutige Spiel der Liga Ruhr anstandslos über sich ergehen lassen. Wünsche Dir viel Erfolg bei Deiner Restauration! Gruß Andreas
G*R*E*E*D Geschrieben 8. Oktober 2005 Geschrieben 8. Oktober 2005 So wie ich das aus Deinem Bericht beurteile, handelt es sich hierbei durchaus um einen ideellen Wert, den es für Dich zu erhalten gilt. Solche Vorhaben sollte man von vorn herein nicht mit einer Kosten-/Nutzen Analyse angehen. Das funktioniert nie! Ich finde Deinen Enthusiasmus und die Vorgehensweise (Anfertigung eines Schlachtplanes) vorbildlich und kann Dir deshalb nur viel Glück und Geduld wünschen. Generell gibt es nichts, was man nicht reparieren kann. Und mit der dazu gehörenden Portion Glück und Geduld finden sich auch die benötigten, gerätespezifischen Ersatzteile. Oft muß man allerdings auch tief dafür in die Tasche greifen. Wenn es um generelle Reparaturtips geht, bist Du hier absolut richtig. Eine Quelle für ein neues, oder besseres Backglas kann ich Dir evtl. geben. Leider stehen diese in den USA und haben auch Ihren Preis.
Sile Geschrieben 9. Oktober 2005 Autor Geschrieben 9. Oktober 2005 @skateball: Schick Aber fehlt in dem Beschlag unter der Kassentür in der Mitte nicht ne Schloßschraube ?*duckundweckrenn* So ähnlich sollte mein "Großer Tag" dann auchmal aussehen. Klar hab ich mir viel vorgenommen, aber die gesamte Prozedur darf ruhig eins zwei Jährchen dauern. Ich machs lieber ohne Eile. Die Big-Day-Cracks kennen inner ipdb mit Sicherheit die entsprechende Seite. http://www.ipdb.org/search.pl?any=big+day&...earchtype=quick Man beachte die Übersetzung in der "Amtsdeutsch-Variante" (gottseidank hab ich ne englischsprachige Version). So Ausdürcke wie "Im Falle des Aufeuchtens 10" oder aus "Top Gate Special" wurde "Die obere Schranke - Spezielle Bewertung" Ich scherzte schon, ob beim Schubsen dann wirklich TILT oder "Unzulässige Spielbeeinflussung" aufleuchtet Gabs mal ein Amt für Flipperübersetzungen? Naja, wie auch immer, ich hoffe während der Restauration auf eueren Beistand bezüglich hervorragendem Fachwissens.
Skateball Geschrieben 9. Oktober 2005 Geschrieben 9. Oktober 2005 Aber fehlt in dem Beschlag unter der Kassentür in der Mitte nicht ne Schloßschraube ?Nö, der Schraubenkopf ist nur dunkler, weil da kein Chrom mehr drauf ist, der noch poliert werden könnte. Naja, wie auch immer, ich hoffe während der Restauration auf eueren Beistand bezüglich hervorragendem Fachwissens. Fachwissen? Wir haben hier doch alle von Flippern keine Ahnung..... Gruß Andreas
MiB Geschrieben 9. Oktober 2005 Geschrieben 9. Oktober 2005 Eine Konifere ist auch als Lebensbaum bekannt. Der Flipper wohnte eine Weile in einer Gärtnerei. Quasi unfreiwilliges Customizing (Prinzipiell war es "Baumdreck" auffem Spielfeld, habs halt blumig dargestellt ) Ahh ja, jetzt verstehe selbst ich das. Zumindest wir hätten die K-Frage geklärt. Gruss Michael
Sile Geschrieben 14. Dezember 2009 Autor Geschrieben 14. Dezember 2009 Moin Restaurationstagebuch. Schon nach 4 Jahren habe ich es dann endlich geschaft "Else" nach Berlin zu holen... Zwischenzeitlich habe ich eine Karriere als hauptberuflicher Musiker begonnen, bin 2 mal umgezogen und habe ein Kind gezeugt, wodurch sich zeitlich alles natürlich etwas nach hinten geschoben hat. Grade die Lackprofis müssen jetzt ganz stark sein.... Jugendsünden: Zeitloses Design Allerdings etwas flockig Innereien Massiv runtergeranztes PF Der erste Einrichtungsgegenstand unserer neuen Butze. Nunja... Mit der Zeit wird alles gut
Sile Geschrieben 14. Dezember 2009 Autor Geschrieben 14. Dezember 2009 Ein bischl hab ich noch. Serien-Nummer Blick durch die Kassentür. man beachte die Sicherungen *hust*
Stronzo Geschrieben 14. Dezember 2009 Geschrieben 14. Dezember 2009 (bearbeitet) Die Sicherungen scheinen mir durchgangstechnisch okay zu sein. Also keine Panik! Und das Äussere von "Else" kriegt man auch wieder hin. Immerhin wohnst Du ja nun in Berlin, da gibt's so 'n komischen Vogel, der hat einen Autolackierbetrieb, in dem er wohl auch andere Dinge lackiert und so ...... den würde ich mal anhauen. Grüße Andy Bearbeitet 14. Dezember 2009 von Stronzo
Sile Geschrieben 15. Dezember 2009 Autor Geschrieben 15. Dezember 2009 Die haben eeewigen Durchgang Naja, rein technisch ist die Kiste bis auf einige zu klärende Sachen recht funktionstüchtig. Allerdings sollte hier auch noch mal eine Reinigung des Innenlebens passieren. Das Cabinet geht an einigen Stellen auseinander, da muss noch geleimt werden, vorsichtig das aufgeschmierte Gelumpe wieder runtergeholt, um vom Original nochmal ne Schablone bauen zu können. und dann erstmal schön glattgezogen die alte narbige Kiste. Aber erstmal muss ich meine Mini-Spielo zuendebauen, dann wird der Flipper zunächst provisorisch aufgestellt. Vorm Frühjahr wird da nix dran passieren (können).
Medusa Geschrieben 15. Dezember 2009 Geschrieben 15. Dezember 2009 Weiter! Grüße Andy dem schliesse ich mich an.... Gruss Jean-Claude
Sile Geschrieben 15. Dezember 2009 Autor Geschrieben 15. Dezember 2009 Else in ihrem neuen Heim: mit Beleuchtung (spärlich) mit spärlicher Beleuchtung und Blitzlicht in ihrer eigenen kleinen Nische: wo demnächst gegenüber an der Wand Herr Herold und Frau Venus noch einziehen werden...
Sile Geschrieben 2. Juni 2012 Autor Geschrieben 2. Juni 2012 So. Wenige tausend Jahre später gehts auf einmal an die Buletten: Vollends gestripped. Einige ultrakrasse Sachen sind an der Mechanik übel aufgefallen. Die Körper der Schlagtürme sind streckenweise weggebröselt, am linken Flipper fehlte die Nocke für den EOS (Und die Spule ist noch nicht abgefackelt! Yeah! ) Die Flipperfinger sind dilletantisch geschweißt gewesen, was auch erklärt warum die so schräg hingen. Und eine Madenschraube ließ sich nichtmal mit Gewalt entfernen, was zum Durchflexen der Achse unterhalb des PFs führte. Nach 2 Tagen Schraubenfolter hats mir gereicht Als nächstes werde ich die Rückseite anschleifen, die später nochmal n grauen Anstrich erhält, und wenn die sauber ist, gehts auf der Bunten Seite des Lebens weiter. Da wo die Posts saßen, sieht man sehr derb den Unterschied zwischen Originalfarbe und etwa 50 Jahre in zwielichtigen Etablissements War alles ein mächtiges Geschraube. Die Switchstacks sind alle mit Tesa zuammengehalten und beschriftet und so, alles hängt noch am Kabelbaum und liegt auf einer provisorischen Wanne in Playfieldgröße. Die Mechaniken werden im Zuge der neuen Montage Stück für Stück überholt, um die Übersicht nicht zu verlieren.
Sile Geschrieben 6. Juni 2012 Autor Geschrieben 6. Juni 2012 So, kurz vor der Spätschicht nochmal rasch die Rückseite wieder klargemacht... Angeschmürgelt, entstaubt: Und anschließend mit silbergrau gerollt. (Etwas heller als der Originalfarbton, aber sieht unten drunter eh kaum wer.) Macht alles in allem einen ordentlicheren Eindruck als das zugeschmurgelte Brett vorher. Beim Rollen (ohne Abkleben) wenig Farbe und lieber 2 bis 3 mal drüber, so daß nichts durch die Bohrungen oder - noch schlimmer - in die Inserts läuft. Das PF sifft von hinten also nun nicht mehr rum, so kann man sich dann demnächst der Vorderseite widmen...
Medusa Geschrieben 6. Juni 2012 Geschrieben 6. Juni 2012 Das PF sifft von hinten also nun nicht mehr rum, so kann man sich dann demnächst der Vorderseite widmen... da muss ich auch ehrlich zugeben, dass die Vorderseite mich eher interessiert weiter so Jean-Claude
Sile Geschrieben 7. Juni 2012 Autor Geschrieben 7. Juni 2012 (bearbeitet) Ich hab dann mal angefangen zu Schrubben. Um den groben Mist runterzukriegen mit Melaninschaum (Schmutzradierer) und Alkohol. Kann es eigentlich sein, daß alte Playfields mit einer Art Schellack überzogen waren? Die klare Schicht scheint sich komplett aufzulösen unter Alkoholeinfluss... Nunja. Lassen wir zunächst ein paar Bilder sprechen: Schmutzradierer/Alkohol vs. 48 Jahre Siff. Ich hätts nicht gedacht, aber der Siff ist echt komplett entfernbar. Leider offenbaren sich dann auch bröselige Stellen, die vorher nicht so aufgefallen sind.... Und zur Verdeutlichung nochmal mit aufgedrehtem Kontrast Ein tierisches Geschrubbe, aber das Ergebnis macht Freude und Hoffnung auf mehr Erfolg Bearbeitet 7. Juni 2012 von Sile
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